Über die Tempel

· 22. April 2019 · Comments are off

Von Bali wird behauptet, dass es mehr Tempel als Wohnhäuser besitzt.
Viele Tempel sind öffentlich zugänglich und können von Touristen besichtigt werden. Kein einziger dient nur der Touristenattraktion. Alle werden genutzt, um die Götter milde zu stimmen.
Die größten Tempel sind einige ha groß, während die Tempel auf den Feldern und Wegkreuzungen oft nur 0,2m² betragen.

Der Tempel ist nicht Sitz der Götter, sondern der Ort, den Götter und Menschen besuchen, um miteinander zu kommunizieren. Am besten geschieht das an bestimmten Zeiten und durch bestimmte Zeremonien.

Jeder Tempel hat zwei oder drei Höfe, sie sind jeweils von einer Mauer umgeben, die nach den Himmelsrichtungen ausgerichtet sind. Die Mauern dienen dem Schutz vor Dämonen, welche sich nur ebenerdig und geradeaus bewegen können.

In den ersten Tempelhof gelangt man durch ein gespaltenes Tor, hinter dem eine Mauer (Aling-Aling) steht, die man umgehen muss. Diese dient ebenfalls der Abwehr der Dämonen, welche sich nur geradeaus bewegen können. Daher gelangen sie nicht in das Innere des Tempels.

In die inneren Höfe des Tempels gelangt man durch ein überdachtes Tor. Es ist so schmal, dass man nur hintereinander durchgehen kann. Zum Tor gelangt man über eine ungerade Anzahl von Stufen, die ebenfalls zum Schutz gegen die Dämonen dienen.

Im ersten Hof (Vorhof) befindet sich der Trommelturm. Hier werden die Bewohner zu Versammlungen und Zeremonien gerufen. Da es bei diesen Zusammenkünften zu essen gibt, befindet sich hier eine oft geräumige Kochstelle.

Im zweiten (zentralen) Hof befindet sich der Pavillon für das Gamelanorchester und der Versammlungsplatz. Bei Tempel mit zwei Höfen entfällt dieser und die Gegenstände befinden sich im ersten Hof.

Der dritte Hof (Innenhof) darf meist nur von Priestern betreten werden, da sich hier die Heiligtümer befinden. Hier stehen die Méru, welche mit mehreren Pagodendächern ausgestattet sind. Es ist immer eine ungerade Anzahl von Dächern. Der Méru mit den meisten Dächern ist dem Hauptgott des Tempels gewidmet. Die mit weniger Dächern sind für Götter aus anderen Tempeln gedacht, die gelegentlich angerufen werden. Ein Méru mit gerader Dachanzahl dient zur Huldigung einer weltlichen Macht, wie Fürst oder König.

Um einen Tempel funktionsfähig zu machen sind zwei Zeremonien notwendig: die rituelle Reinigung und die Einweihung. Der Einweihungstag ist der Geburtstag des Tempels, welcher jedes Jahr gefeiert wird.

Jedes Dorf hat mindestens drei Tempel:
Pura Puseh der Ursprungstempel. Er liegt an jenem Dorfende, das einem Berg zugewandt ist. Meist ist es der Gunung Agung. Er ist den Göttern geweiht und den Ahnen, welche das Dorf gegründet haben.
Pura Desa ist der Dorftempel. Hier werden die territorialen Götter gehuldigt, alle Feste gefeiert und Ratsversammlungen abgehalten.
Pura Dalem, der Todestempel. Er ist den Göttern des Todes geweiht und liegt an jener Seite des Dorfes, das dem Meer zugewandt ist. In diesem Tempel beginnen die Verbrennungszeremonien.
Die Verstorbenen sind nach ihrem Tod nicht rein und daher teilweise gefährlich. Sie werden im Pura Dalem so lange gebunden, bis sie, durch die Unterwelt geprüft wurden und als reine Seelen aufsteigen.

Jedes Haus hat einen Haustempel.
In diesem werden die Ahnen der Hausbewohner geehrt. Darüber hinaus gibt es Familientempel, in dem nicht nur die Hausbewohner, sondern auch Familienangehörige Zutritt haben, die nicht im Hause wohnen.

In der Landschaft gibt es unzählige Minitempel:
Während die Lahapan kleine, oft überdachte Bambusgestelle sind, in denen täglich den Göttern Opfergaben gebracht werden, sind die Tugus Opferplätze für die Erdgeister. Sie sind aus Lehm gefertigt. Kein Bauer auf Bali würde sein Land bestellen, ohne vorher die Götter gehuldigt und die Erdgeister besänftigt zu haben.

 

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Über Gerhard Neuwirth

Ich bin Reikilehrer und arbeitete in eigener Praxis für energetische Heilweisen. Heute bin ich in Pension und stelle meine Erfahrungen informativ auf meiner Homepage zur Verfügung. Da es Gottseidank noch immer Menschen gibt, die nicht immer mit PC oder Handy verbunden sind, habe ich mich entschlossen, meine Gedanken auch in Buchform zu bringen.